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Argumentarium

Sind auch Sie schon am Stammtisch oder am Ackerrand mit Menschen ins Gespräch gekommen, die sich kritisch zu Pflanzenschutz geäußert haben?  

Hier haben wir für Sie einige Fragen und Behauptungen aufgelistet und Fakten und Argumente zusammengestellt, die Ihnen in der Diskussion mit pflanzenschutzkritischen Verbrauchern nützlich sein können.

 

Alles was in der Natur vorkommt ist gesund, die Chemie produziert nur Gift!
Die Natur ist oft Vorbild bei der Entwicklung eines Pflanzenschutzmittels, weil Pflanzen selbst Substanzen zur Schädlings- und Krankheitsbekämpfung erzeugen. So stand zum Beispiel der Zylinderputzerstrauch Pate bei der Entwicklung der Callistemone/Triketone, einer Wirkstoffgruppe für die Unkrautbekämpfung im Maisanbau.

 

 

Unbehandeltes Obst ist frei von Giftstoffen!
Wenn man Obst in seine chemischen Bestandteile aufschlüsselt, kommt man auf Substanzen, die in hoher Dosierung ebenfalls gesundheitsschädlich sind. Eine Himbeere (sie enthält unter anderem Kumarin) hätte keine Aussicht auf lebensmittelrechtliche Zulassung, wenn man sie künstlich herstellen wollte! Ähnliches gilt aber auch für anderes Obst und Gemüse. Die Dosis macht eben das Gift.

 

 

Industrielle Landwirtschaft und Monokulturen beeinträchtigen die Artenvielfalt erheblich!
Die klassische professionelle Landwirtschaft hat tatsächlich Einfluss auf die Biodiversität. Aber die Alternative wäre, Wälder zu roden und unberührtes Land zu kultivieren, was die Artenvielfalt viel stärker negativ beeinflussen würde. Saatgutbanken werden unterstützt, die die natürliche Vielfalt der Pflanzen für kommende Generationen erhalten sollen. Monokulturen sind dabei nicht die Regel, und gerade die Landwirte haben ein sehr hohes Umweltbewusstsein und denken langfristig.

 

 

Landwirtschaft darf nicht eine Industrie werden!
Die Landwirtschaft ist schon längst eine komplexe Kulturtechnik und das ist notwendig und gut. Pflanzenschutz ermöglicht effizientes Arbeiten. Das romantisierte Bild von Landwirtschaft entspricht nicht der Realität. 

 

Die Landwirtschaft muss aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung immer mehr produzieren: derzeit sind es rund 2 Milliarden Tonnen Getreide pro Jahr. Zwischen 2030 und 2040 werden 3 Milliarden Tonnen hergestellt werden müssen. Weltweit müssen in den nächsten 25 Jahren doppelt so viel Nahrungsmittel erzeugt werden wie in den letzten 10.000 Jahren zusammen.


Auch ändern sich die Ernährungsgewohnheiten der Menschen, sie kaufen mehr Fleisch, Eier, Käse. Tierische Produkte sind aber nur mit einem hohen Einsatz herstellbar. So braucht man 7 kg Futtermittel, um 1 kg Rindfleisch zu produzieren. Also müssen die Ernten je Hektar optimiert werden.

 

 

Warum kümmern sich die Pflanzenschutzproduzenten nicht um die Landwirtschaft in Entwicklungsländern?
Dortige politische Verhältnisse verhindern oftmals eine funktionierende Landwirtschaft. Saatgut, Düngung, Bewässerung, Maschinen und pflanzenbauliches Wissen erreichen nur selten unsere Standards. In alle diesen Bereichen – und auch im Pflanzenschutz – hat sich die Situation dank des Engagements der verschiedenen Stellen und Industrien in den letzten Jahren bereits deutlich verbessert. Dennoch ist noch vieles zu tun.

 

 

Diese ganzen Substanzen sind doch giftig!
In der öffentlichen Meinung wird fälschlicherweise unterschieden nach natürlich und gesund, chemisch und giftig. Viele Substanzen des alltäglichen Gebrauchs haben eine Giftigkeit, die moderne Pflanzenschutzmittel bei weitem übertrifft, z.B. Wunddesinfektionsmittel, Parfum, Fleckenentferner und Nikotin, sogar Koffein. Viele unbehandelte Früchte enthalten Chemikalien, die in hoher Konzentration giftig sind (z.B. Kumarin in der Himbeere). Fazit: Die Menge macht das Gift!

 

 

Wozu noch mehr Chemie, der Boden ist doch schon verseucht!
Pflanzenschutzmittel gehören zu den bestuntersuchten Substanzen überhaupt.
Mögliche Einflüsse auf Mensch und Natur (Pflanzen, Luft, Boden) werden in jahrelanger Forschungsarbeit überprüft um sicherzustellen, dass die Substanzen abbaubar sind und sich nicht im Boden anreichern.

 
Im Labor und im Freiland wird untersucht, in welche Bestandteile (Metaboliten) ein Wirkstoff zerfällt und was mit diesen passiert. Verschiedene Wetterbedingungen werden simuliert (Hitze, Niederschläge etc.) und es wird auch kontrolliert, ob es Auswaschung in tieferliegende Bodenschichten gibt.


Durch das Wissen um die Zusammenhänge sind die Böden heute generell in einem sehr guten Zustand, das zeigt sich auch in den von Jahr zu Jahr steigenden Erträgen. Mit "verseuchten", kranken Böden wären die heutigen Ernten nicht möglich.

 

 

Heutzutage sind nur mehr Bioprodukte frei von schädlichen Substanzen!
Probleme für die Lebensmittelsicherheit stellen mit Krankheitserregern verseuchte Lebensmittel (Salmonellen, Listerien) dar, also verdorbene Waren. Das liegt aber nicht an der Landwirtschaft und der Industrie, sondern ist eine Frage der Hygiene – vor allem der lückenlosen Kühlkette. Immer wieder findet man verdorbenes Obst und Gemüse. Im Gegensatz dazu sind auf Grund von Pflanzenschutzmittel-

rückständen beanstandete Proben sehr selten zu finden.

 

Außerdem können unbehandelte Pflanzen von Pilzen befallen werden, die Giftstoffe erzeugen, welche für Menschen schädlich sind. Ein Beispiel dafür sind Mykotoxine (Pilzgifte) im Getreide, die auch durch den gezielten Einsatz von Fungiziden deutlich reduziert werden können.

 

Übrigens: Auch bei der Erzeugung von Bioprodukten werden zumeist bestimmte Pflanzenschutzmittel eingesetzt, wie zum Beispiel Schwefel und Kupferverbindungen.

 

 

Warum arbeiten Züchter nicht an widerstandsfähigen Pflanzensorten, dann braucht man keinen Pflanzenschutz mehr?
Resistenzzüchtung ist ein wichtiger Baustein bei Pflanzenschutz, der ja aus einem Bündel an Maßnahmen besteht. Resistenzzüchtung alleine reicht allerdings nicht aus, um der Fülle an Schädlingen und Krankheiten Herr zu werden. Die Pflanzenschutzmittelindustrie hat vor einigen Jahren Monitoring Programme für Kulturpflanzen ins Leben gerufen. Damit kann man die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten beobachten. Ziel ist es, chemischen Pflanzenschutz gezielt dann einzusetzen, wenn tatsächlich Ernteverlust droht.

 

 

Früher haben die Bauern doch auch keine Spritzmittel verwendet!
Die Weltbevölkerung nimmt rasant zu, die landwirtschaftlichen Anbauflächen aber nicht. Um Menschen leistbare Lebensmittel in guter Qualität und ausreichender Menge zu ermöglichen, muss die intensive Landwirtschaft auf Schädlingsbekämpfungsmittel zurückgreifen. Mit manueller Arbeit – z.B. dem Unkrautjäten auf Rübenfeldern – kann man die erforderliche Menge an Nahrungsmitteln nicht mehr herstellen, auch würde sich für diese anstrengende Tätigkeit heute kaum mehr jemand finden.

 

Würde die Landwirtschaft auf Pflanzenschutz komplett verzichten, könnte das Ertragspotenzial der Kulturpflanzen nur zu 30 Prozent ausgeschöpft werden. Durch den gezielten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln können weitere 30 Prozent geerntet werden. Trotzdem gehen heute noch 40 Prozent der Ernte durch Unkräuter, Schädlinge und Krankheiten verloren. Die Pflanzenschutzforschung arbeitet daran, auch diese Ernten vor Schädigungen zu schützen.

 

Vor 1.000 Jahren säte der Bauer ein Weizenkorn und erntete zwei, heute erzielt er dank moderner Sorten, optimaler Kulturführung und gezielter Pflanzenschutzmaßnahmen 50 Körner.

 

Während die Weltbevölkerung Jahr für Jahr weiter steigt, bleibt die weltweit zur Verfügung stehende Ackerfläche praktisch gleich. Dadurch sinkt die pro Kopf zur Verfügung stehende Fläche zur Ernährungssicherung stetig. Konsequenz: Beträchtliche Ertragssteigerungen sind nötig, um auch in Zukunft eine ausreichende Ernährung zu gewährleisten.

 

Tatsache ist: Ohne den modernen Pflanzenschutz wäre die Ernährung der Weltbevölkerung keinesfalls möglich. 

 

 

Stören Pflanzenschutzmittel nicht massiv das natürliche Gleichgewicht der Natur?
Sogenannte "Naturlandschaft" ist meist Kulturlandschaft (seit der Sesshaftwerdung der Menschen). Mit dem Ackerbau der Menschen veränderte sich die Natur nachhaltig. Praktisch alle Nutzpflanzen wurden vom Menschen gezüchtet und haben mit den ursprünglichen Wildformen nur mehr wenig zu tun. Die Pflanzen auf den Feldern bieten optimale Vermehrungsbedingungen für Schädlinge. Mit chemischem Pflanzenschutz und anderen Maßnahmen (Einhaltung der Fruchtfolge) kann man dagegen etwas tun.

 

 

In letzter Zeit hört man immer öfter von Pestizidrückständen auf Obst und Gemüse!
Die Messmethoden, um Pflanzenschutzmittelrückstände aufzuspüren, werden immer feiner, deshalb werden auch häufiger Rückstände gefunden.
Solche Rückstände dürfen die Gesundheit des Verbrauchers keinesfalls schädigen, deshalb werden Rückstandshöchstwerte festgelegt. Diese Höchstwerte liegen weit unter jener Menge, die eine gesundheitsschädigende Wirkung für den Verbraucher haben kann.

 

Bei den Tests wird aber nicht nur der einmalige Verzehr getestet, sondern auch die lebenslange Aufnahme. Zwei Werte sind dabei wichtig: Die akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI – acceptable daily intake) und die einmalige Aufnahmemenge (ARfD – akute Referenzdosis). Im Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln muss nachgewiesen werden, dass selbst unter für Verbraucher ungünstigen Szenarien diese Werte nicht überschritten werden.

 

Was bedeuten diese hohen Sicherheitsanforderungen? Wer 70 Jahre lang ausschließlich Wasser trinkt, das 0,1 Mikrogramm Pflanzenschutzmittel enthält, hat am Ende eine Menge aufgenommen, die der Größe eines Salzkorns entspricht.

 

 

Unkräuter, Krankheiten und Insekten werden widerstandsfähiger gegen Pflanzenschutzmittel. Heißt das, dass noch stärkere Gifte notwendig sind?
Im Laufe von Generationen passen sich Organismen der Umwelt an, dies ermöglicht erst das Leben auf unserem Planeten. Unkräuter, Pilze und schädliche Insekten machen da keine Ausnahme. Manchmal reagieren sie dann weniger auf Pflanzenschutzmittel, manchmal werden sie resistent. Die Lösung sind daher nicht stärkere Gifte, sondern andere Wirkungsmechanismen. Wichtig ist die richtige Anwendung (optimaler Zeitpunkt, Wahl des geeignetsten Mittels), die Verwendung moderner Wirkstoffe und die Einhaltung der Fruchtfolge.

 

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pflanzenschutz-aber-sicher@bayercropscience.com

Letzte Änderung: 19. Dezember 2008
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